Open Access

Wissenschaftliches Publizieren im Wandel

  • Forschungsdienstleistung
1. Oktober 2018

Wir befinden uns im Jahr 2024: Eine Wissenschaftlerin im Sudan, ein Angehöriger eines Patienten mit einer seltenen Krankheit in den USA, ein Landwirt in China – sie alle können – den Zugriff auf das Internet vorausgesetzt – jederzeit, ohne Einschränkung, kostenlos auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse zugreifen. Sie können auf dieser Grundlage neue Wege für die Energieversorgung ihrer Gemeinde entwickeln, sich auf Arztbesuche vorbereiten oder die neueste Forschung zu Sorten und Saatgut verfolgen. Ein Wunschtraum? Oder sollte der freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur drei Jahrzehnte nach der Entwicklung des World Wide Web nicht längst Realität sein?

Open Access – der freie Zugang zu Forschungsergebnissen – ist zurzeit in aller Munde: Forschungsförderer und Hochschulen erlassen Richtlinien für Wissenschaftler, Verlage entwickeln neue Geschäftsmodelle für Open-Access-Zeitschriften und -Monographien, ganze Länder kündigen die Zeitschriftenabonnements ihrer Forschungseinrichtungen 1 . Die Wissenschaftspolitik hat das Thema auf ihre Agenda gesetzt und in der Schweiz wurde 2017 eine nationale Open-Access-Strategie verabschiedet 2 . Wo stehen wir auf dem Weg, das darin gesteckte Ziel „100 Prozent Open Access bis 2024“ zu erreichen?

Die sogenannte Open-Access-Bewegung, viele Jahre ein vorwiegend von wissenschaftlichen Bibliothekarinnen und Bibliothekaren sowie einigen wenigen engagierten Forschenden vorangetriebenes Projekt, ist aus ihrer Nische herausgetreten. Sie findet sich heute in einem dynamischen und komplexen Umfeld wieder, in dem unterschiedliche Interessen aufeinanderprallen und verhandelt werden müssen. Auch die ETH Zürich hat Anfang des Jahres 2018 ihre Open Access Policy überarbeitet und damit bekräftigt, dass sie sich für den freien Zugang zu den an der Hochschule entstandenen Forschungsergebnissen einsetzt 3 . Woher aber kommt dieser plötzliche Aufschwung einer Idee, die bereits vor der Jahrtausendwende diskutiert wurde, deren Umsetzung sich aber bislang als schwierig erwies? Wir werfen einen Blick zurück in die Geschichte.

Frühe wissenschaftliche Zeitschriften

Als erste wissenschaftliche Zeitschrift überhaupt wird gemeinhin das Journal des Scavans (auch Journal des Scavants) bezeichnet 4 . Gegründet wurde sie wie auch die Philosophical Transactions im Jahr 1665. Beide Zeitschriften befinden sich übrigens vollständig im Bestand der ETH-Bibliothek.

Titelseite der ersten Ausgabe des Journal des sçavans von 1665E-Pics Alte und Seltene Drucke
Titelseite der ersten Ausgabe von Philosophical transactions of the Royal Society of London von 1665Suchportal der ETH-Bibliothek

Aber auch vor dem Jahr 1665 existierten bereits Formen schriftlichen Austauschs in den Wissenschaften, sie beschränkten sich allerdings häufig auf eine Zirkulation innerhalb geschlossener wissenschaftlicher Gesellschaften 5 . Der Bibliothekswissenschaftler Kronick definiert 1962 mehrere Kriterien für eine wissenschaftliche Zeitschrift: etwa dass der Titel für alle verfügbar sein muss, die bereit sind, dafür zu zahlen, und dass die Verbreitung nicht auf einen exklusiven Kreis beschränkt bleibtZum Tweeten klicken 6 . Dieses Kriterium der Möglichkeit zur Subskription erfüllten bereits die beiden oben genannten Titel.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts stieg die Zahl wissenschaftlicher Zeitschriften auf mehr als 400 Titel 7 . Im 19. Jahrhundert wurden u. a. die heute massgeblichen Wissenschaftsverlage Wiley (1807), Springer (1842) und Elsevier (1880) gegründet.

Nature Titelblatt Im Altbestand der ETH-Bibliothek ab der ersten Ausgabe 1869/1870 (Signatur P 71742)Suchportal der ETH-Bibliothek
Nature InhaltsverzeichnisIm Altbestand der ETH-Bibliothek ab der ersten Ausgabe 1869/1870 (Signatur P 71742)Suchportal der ETH-Bibliothek

Kommerzialisierung und Monopolisierung im 20. Jahrhundert

Die Wissenschaft gewann im Zuge der Industrialisierung kontinuierlich an Bedeutung. Der Zweite Weltkrieg führte auch in der Wissenschaft zu grösseren Umbrüchen. So profitierten vom Einbruch des deutschen Verlagswesens u. a. Verlagshäuser in den Niederlanden, darunter Elsevier und North-Holland 8 . Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen besonders in den USA die Investitionen in Wissenschaft und Forschung markant zu 9 . Dieser Forschungsboom sowie auch die Etablierung neuer Forschungszweige führte zur Gründung vieler neuer Zeitschriften.

Durch den Zukauf von Pergamon Press (einem besonders erfolgreichen britischen Verlag), aber auch vorhergehende und nachfolgende Übernahmen, ist der Verlag Elsevier mit heute 3'500 Titeln zum grössten Anbieter wissenschaftlicher Zeitschriften aufgestiegen. Gleichzeitig wurde Elsevier aber auch zum Symbol eines übermässigen Gewinnstrebens im Markt wissenschaftlicher Publikationen. Aus Sicht der Bibliotheken stellte sich zunehmend die Frage, ob es sich hierbei überhaupt um einen freien Markt handelt, sind doch die Inhalte einer Zeitschrift nicht durch die Inhalte einer anderen zu ersetzen. Seit den 1970er Jahren stiegen die Subskriptionspreise für wissenschaftliche Zeitschriften so rasant, dass wissenschaftliche Bibliotheken spätestens in den 1990er Jahren gezwungen waren, weniger bedeutende Titel abzubestellen 10 .

Zeitschriftenkrise und Internet als Anstoss für die Open-Access-Bewegung

Beschleunigt wurde die finanzielle Problematik auf Seiten der Bibliotheken – oft auch als „Zeitschriftenkrise“ bezeichnet – durch die Etablierung des Internets. Auch hier war es das Verlagshaus Elsevier, das ein neues Geschäftsmodell für den Online-Zugang entwickelte – die sogenannten «Big-Deals», die den Angehörigen einer Hochschule oder wissenschaftlichen Einrichtung den unbegrenzten Zugang zu allen Artikeln aller Zeitschriften (oder zumindest einem Grossteil) eines Verlages ermöglichten 11 . Allerdings waren auch die Preise für «Big-Deals» stetigen Preiserhöhungen unterworfen.

In der Summe war damit die Verbreitung wissenschaftlicher Ergebnisse Anfang des 21. Jahrhunderts zu einem der profitabelsten Geschäftszweige überhaupt geworden, nicht zuletzt weil hierbei die Verlage von umfangreichen, nicht honorierten Arbeiten der Wissenschaftler profitierten. Nicht zu Unrecht konstatierte daher der Economist 2012 12 :

Publishing obscure academic journals is that rare thing in the media industry: a licence to print money.

— The Economist

Angesichts der sich ungehindert weiterdrehenden Preisspirale bei den Subskriptionskosten zulasten von Universitäten bzw. Bibliotheken und vor dem Hintergrund des Aufkommens des Internets stand spätestens Anfang des neuen Jahrtausends die Frage im Raum, ob sich das klassische Publikationsmodell für Zeitschriften nicht überholt hätte. Sollten und müssten die Möglichkeiten des Internets nicht dafür genutzt werden, Forschungsergebnisse für jedermann frei zugänglich zur Verfügung zu stellen?Zum Tweeten klicken

Es formierten sich Initiativen wie die Budapest Open Access Initiative 13 und die Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen 14 , die diese Forderungen ausformulierten und in den darauf folgenden Jahren eine grosse Anhängerschaft unter Hochschulen und Forschungseinrichtungen weltweit erlangten.

Strategien der Verlagshäuser

Für die wissenschaftlichen Verlage lag die Schlussfolgerung, dass das Aufkommen des Internets automatisch den Weg zu mehr Open Access weisen würde, zunächst jedoch offensichtlich nicht auf der Hand. Tatsächlich schien ihre Strategie vielmehr darin zu bestehen, ihre durchaus erfolgreichen Publikations- und Geschäftsmodelle ohne grössere Veränderungen von der analogen in die digitale Welt zu übertragen.

Gegenüber den Forderungen der Open-Access-Bewegung stellten sich viele etablierte Verlage zunächst einmal taub. Erst nach und nach gingen zumindest einige auf die Forderung, klare Regelungen für die Zweitveröffentlichung, den sogenannten Grünen Weg des Open Access, zu erlassen, ein. Die ersten Verlage, die ausschliesslich Open-Access-Zeitschriften publizierten, entstanden denn auch abseits des klassischen Verlagswesens: BioMed Central 1999 in Grossbritannien und die Public Library of Science 2001 in den USA. Die beiden Verlage waren Vorreiter, nicht zuletzt hinsichtlich der Etablierung eines heute weit verbreiteten Geschäftsmodells, der sogenannten „Article Processing Charge“ (APC): eine Gebühr, die Autorinnen und Autoren für die Publikation eines Artikels in einer Open-Access-Zeitschrift bezahlen. Bei dieser Art des Open-Access-Publizierens wird der traditionelle Geldfluss umgekehrt: statt dass wie bisher Bibliotheken für den Zugriff auf eine Zeitschrift bezahlen, bezahlen die Autoren für die Publikation ihrer Artikel, die dann weltweit frei zur Verfügung stehen.

Grüner WegZweitveröffentlichung von wissenschaftlichen Publikationen auf institutionellen oder fachspezifischen Repositorien. Der Verlag, bei dem die Erstveröffentlichung erfolgt, regelt welche Art der Zweitveröffentlichung erlaubt ist. Das Repository der ETH Zürich ist die Research Collection.Research Collection
Goldener WegErstveröffentlichung von wissenschaftlichen Publikationen in einem Open-Access-Medium (Open-Access-Zeitschrift, Open-Access-Monographie). Oft finanziert durch Autorengebühren (sog. Article Processing Charges).
Hybrid-ZeitschriftenZeitschriften, die nach dem konventionellen Subskriptionsmodell operieren. Zusätzlich erlauben sie Autorinnen und Autoren, einzelne Artikel durch das Bezahlen einer Gebühr im Internet frei zugänglich zu machen (Open Access Option).
Platinum Open AccessBezeichnet eine Sonderform des Goldenen Weges, bei dem weder Subskriptions- noch Autorengebühren anfallen. Die Kosten für diese Art von Zeitschriften und/oder Büchern werden pauschal von Institutionen oder Konsortien getragen.

Haltung der wissenschaftlichen Community

Und was sagen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu alldem? In einer 2011 durchgeführten Studie gaben knapp 90% der weltweit befragten Wissenschaftler an, dass sie Open Access als förderlich für ihr Forschungsfeld betrachteten. 15 Eine ähnliche hohe Zustimmung zur Idee des freien Zugangs zu Forschungsergebnissen lässt sich auch in anderen Befragungen feststellen, darunter zuletzt auch in einer 2017 unter dem wissenschaftlichen Personal der ETH Zürich durchgeführten Umfrage. 16

Wenn es jedoch um das eigene Publikationsverhalten geht, zeigten sich Forschende oft unbeeindruckt von den neuen Möglichkeiten, ihre Forschungsergebnisse einer grösseren Leserschaft zugänglich zu machen. Ausserhalb der Lebenswissenschaften existierten anfangs in vielen Disziplinen kaum bis keine Open-Access-Zeitschriften. Zudem waren und sind die Bedenken, bei neuen, noch unbekannten Verlagen zu publizieren, oft gross 17 . Die von den Bibliotheken als Alternative beworbene Möglichkeit der Zweitveröffentlichung konventioneller Artikel, ist zudem für Autorinnen und Autoren oft weniger attraktiv als eine Open-Access-Veröffentlichung direkt beim Verlag und darüber hinaus mit rechtlichen Unsicherheiten und Aufwand verbunden.

Eine erste kleine Trendwende stellte sich erst ein, als die etablierten Wissenschaftsverlage sich für das Geschäftsmodell „Gold Open Access“ zu interessieren begannen. So kaufte die Springer Verlagsgruppe 2008 den Verlag BioMed Central und begann ihr Open-Access-Portfolio auszubauen. Andere grosse STM-Verlage 18 wie Wiley, Elsevier, IEEE oder die Nature Publishing Group (heute: SpringerNature) brachten ab 2010 ebenfalls eigene Open-Access-Zeitschriften auf den Markt. Gleichzeitig führten diese Verlage auch für viele ihrer konventionellen Zeitschriften die Möglichkeit einer kostenpflichtigen Open-Access-Option ein und transformierten diese damit in sogenannte „Hybrid-Zeitschriften“.

Die Erkenntnis, dass Open Access auch bei etablierten Verlagsmarken eine Option ist, trug sicherlich ihren Teil dazu bei, Vorbehalte unter den Forschenden gegenüber Open-Access-Publikationen abzubauen. So sank der Anteil jener Autoren, welche in Befragungen die Unsicherheit hinsichtlich der wahrgenommenen Qualität von Publikationen bei Open-Access-Verlagen als Grund dafür nannten, nicht Open Access zu publizieren, in den letzten Jahren kontinuierlich 19 .

Forschungsförderer als Treiber der Open-Access-Entwicklung

Ein wichtiger Treiber dieser Entwicklungen der letzten Jahre war das verstärkte Bestreben der Forschungsförderer, die Ergebnisse der von ihnen geförderten Forschungsprojekte einer grösseren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für den Wissenschaftsplatz Schweiz sind hier insbesondere der Schweizer Nationalfonds und die Europäische Kommission als wichtige Geldgeber drittmittelfinanzierter Forschung zu nennen. Beide verfolgen seit mehreren Jahren Open-Access-Strategien, deren Umsetzung sie mit zunehmendem Nachdruck von den Förderempfängern einfordern 20 . Die Wissenschaftsverlage mussten hier mit entsprechenden Angeboten – in Form von Open-Access-Optionen, Open-Access-Zeitschriften oder klaren Regelungen für den Grünen Weg – reagieren, andernfalls drohte ihnen der gesamte von wichtigen Förderern mitfinanzierte Publikationsoutput für ihre Zeitschriften abhanden zu kommen.

Dass diese Entwicklung mitunter ungewollte Konsequenzen mit sich bringt, zeigt das Beispiel Grossbritanniens, wo seit der Publikation des sogenannten „Finch Reports“ 2012 21 massiv in die Open-Access-Transformation mithilfe finanzieller Unterstützung des hybriden Publikationsmodells investiert wurde. Ein Ende 2017 publizierter Monitoringbericht 22 hat die negativen Konsequenzen dieser Strategie umfassend dargelegt: Von einer Vervierfachung der landesweiten Ausgaben für APCs über die Festigung der Marktmacht der Grossverlage bis hin zur Fortschreibung der Intransparenz bei den Publikationskosten – die entstandenen Probleme rücken hier unweigerlich in den Vordergrund gegenüber dem damit erkauften Erfolg, dass der Open-Access-Anteil des britischen Publikationsoutputs zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung auf 37% erhöht werden konnte (im Vergleich zu 25% im globalen Durchschnitt) 23 .

Viele Stakeholder – viele Interessen

Das folgende Video erläutert den Publikationsprozess in wissenschaftlichen Fachzeitschriften sowie die dabei entstehenden Geldflüsse am Beispiel von Subskriptionszeitschriften und APC-pflichtigen Open-Access-Zeitschriften.

Die Interessen von Verlagen, Bibliotheken, Förderern und Wissenschaftlern in der Diskussion um die globale Open-Access-Transformation divergieren teilweise stark voneinander.Zum Tweeten klicken Während die einen nach neuen Geschäftsmodellen suchen, die es ihnen erlauben ihre Gewinnmargen zu halten oder sogar auszubauen, und die anderen über finanzielle Konsequenzen, Zuständigkeiten und Verhandlungsstrategien diskutieren, sehen sich die Wissenschaftler mit einem System widersprüchlicher Anreize konfrontiert: Einerseits ist es für ihre Karriereentwicklung unabdingbar, dass sie ihre Forschungsergebnisse in den renommiertesten Zeitschriften ihres Fachgebiets veröffentlichen – oft handelt es sich dabei nach wie vor um konventionelle Subskriptionszeitschriften. Andererseits werden sie von Arbeitgebern, Förderern und Hochschulen angehalten, vermehrt Open Access zu publizieren.

Dienstleistungen zu Open Access der ETH-Bibliothek

Die ETH-Bibliothek hat, ebenso wie andere Hochschulbibliotheken, ein umfangreiches Informations-, Support- und Dienstleistungsangebot im Bereich Open Access aufgebaut, um die Forschenden in ihren Publikationsstrategien zu unterstützen und die bestehenden Unsicherheiten und Vorbehalte abzubauen.

1. Open Access Repository

In der Research Collection können ETH-Angehörige ihre Artikel zweitveröffentlichen.

2. APC-Finanzierung

Die ETH-Bibliothek übernimmt bei einigen Verlagen die Publikationsgebühren für ETH-Angehörige.

3. Open Access Policy

Die ETH-Bibliothek ist Anlaufstelle für Fragen zur Open Access Policy der ETH Zürich.

4. Urheberrecht

Beratung zu rechtlichen Fragen in Zusammenhang mit Open-Access-Publikationen

5. Forschungsförderer

Beratung zu den Open-Access-Vorgaben der Forschungsförderer

6. Kurse / Book a Librarian

Workshops, Webinare und individuelle Beratungsgespräche

Im Rahmen der Umsetzung der nationalen Open-Access-Strategie für die Schweiz hat ein Verhandlungsteam unter der Leitung von swissuniversities 2018 damit begonnen, Verhandlungen mit den Verlagshäusern Springer, Elsevier und Wiley vorzubereiten, die den Abschluss von Verträgen nach dem sogenannten „Read & Publish“ Modell anstreben 24 . Damit würde es Schweizer Wissenschaftlern erstmals möglich, nicht nur auf die Inhalte wichtiger Fachzeitschriften zuzugreifen, sondern auch ohne Zusatzkosten darin Open Access zu publizieren.

Wo werden wir also hinsichtlich Open Access im Jahr 2024 stehen? Für das Erreichen der Ziele der nationalen Strategie sind die geplanten Verhandlungen mit den grossen Verlagen ein essenzieller Schritt, denn ein grosser Teil des Schweizer Publikationsoutputs erscheint in deren Zeitschriften. Ob die in der Schweiz und anderen westlichen Ländern derzeit angestrebten Verlagsverträge jedoch auch zwingend zu einer Open-Access-Transformation auf globaler Ebene oder gar zu einer Reduktion der Kosten für die Hochschulen führen werden, bleibt zunächst abzuwarten.

Angesichts des steigenden Drucks aus Politik und Forschungsförderung ist es gut vorstellbar, dass die eingangs erwähnte sudanesische Wissenschaftlerin, der chinesische Landwirt und der amerikanische Patient im Jahr 2024 auf deutlich mehr Forschungsoutput frei zugreifen werden können, als dies heute der Fall ist. Gut möglich ist allerdings auch, dass die Wissenschaft diesen Fortschritt mit dem Preis einer weiteren Zementierung der Marktmacht der kommerziellen Verlage bezahlen wird.

Fussnoten

  1. SPARC: Big Deal Cancellation Tracking. Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition, 2018. ↩︎
  2. swissuniversities: Nationale Strategie Open Access. swissuniversities, 2017. ↩︎
  3. ETH Zürich: Open Access-Policy der ETH Zürich vom 17. Januar 2018. Zürich: ETH Zürich, 2018. ↩︎
  4. Meadows, Arthur J.: Development of science publishing in Europe. Amsterdam: Elsevier, 1980; Andriesse, Cornelis D.: Dutch messengers: a history of science publishing, 1930-1980. Leiden: Brill, 2008. ↩︎
  5. Meadows, 1980 ↩︎
  6. Kronick, David A.: A history of scientific and technical periodicals : the origins and development of the scientific and technological press, 1665-1790. New York: Scarecrow Press, 1962. ↩︎
  7. Kronick, 1962 ↩︎
  8. Andriesse, 2008 ↩︎
  9. Buranyi, Stephen: Is the staggeringly profitable business of scientific publishing bad for science? In: Guardian, 27. Juni 2017. ↩︎
  10. Buranyi, 2017 ↩︎
  11. Buranyi, 2017 ↩︎
  12. The Economist: Open sesame. In. The Economist, 14. April 2012. ↩︎
  13. Chan, Leslie; Cuplinskas, Darius; Eisen, Michael et al.: Budapest Open Access Initiative. Budapest, 2002. ↩︎
  14. Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen. Berlin, 2003. ↩︎
  15. Dallmeier-Tiessen, S.; Darby, R., Goerner, B. et al.: Highlights from the SOAP project survey. What Scientists Think about Open Access Publishing. arXiv: 2011. ↩︎
  16. Institut für Arbeitsmarktforschung (iafob): Befragung zu Open Access an der ETH Zürich – Gesamtbericht. Zürich: ETH Zürich, 2017. ↩︎
  17. Die von Autorinnen und Autoren geäusserten Bedenken reichen von der Sorge über die wahrgenommenen Qualität von Open-Access-Publikationen, über Schwierigkeiten bei der Finanzierung der APCs bis zu der Thematik des fehlenden Impact Factors bei neuen Zeitschriften. ↩︎
  18. Naturwissenschaftlich-technische Verlage (STM steht für „Science, Technology and Medicine“) ↩︎
  19. Vgl. z.B. Nature Research: Author insights 2015 survey. Figshare: 2015. ↩︎
  20. Vgl. z.B. die aktuelle Open-Access-Initiative „cOAlition S“ von elf europäischen Forschungsförderern, der Europäischen Kommission und des Europäischen Forschungsrats: https://www.scienceeurope.org/coalition-s/ ↩︎
  21. Working Group on Expanding Access to Published Research Findings: Accessibility, sustainability, excellence: how to expand access to research publications. Research Information Network, 2012. ↩︎
  22. Universities UK: Monitoring the Transition to Open Access. Universities UK, 2017. ↩︎
  23. JISC Collections Content Strategy Group: Discussion Paper: Considering the Implications of the Finch Report Five Years On. JISC, 2017. ↩︎
  24. swissuniversities: Factsheet zur Verhandlungsstrategie von swissuniversities. Bern: swissuniversities, 2018. ↩︎